In Zukunft nicht mehr wegzudenken? KI in der Genealogie!

Hermann Hartenthaler vom Verein für Computergenealogie (CompGen) zeigte Beispiele aus der Praxis!

In der Presse und in den Sozialen Medien gibt es momentan ein großes Diskussionsthema: die künstliche Intelligenz (KI). Für den einen werden wir gerade Zeugen einer Revolution gleichbedeutend der Industrialisierung, für den anderen bedeutet KI ein großer Fluch für die Menschheit. Kein anderes Thema wird momentan so kontrovers diskutiert. Auch in der Genealogie ist die KI schon längst angekommen. Alle großen familiengeschichtlichen Internetplattformen setzten KI bereits für verschiedenste Aufgabenbereiche ein. Wie können wir Ahnenforscherinnen und Ahnenforscher KI als persönlichen Assistenten für unsere genealogische Forschung einsetzen? Was geht und was geht nicht mit KI? Hermann Hartenthaler vom Verein für Computergenealogie zeigte Beispiele aus der Praxis auf.

 

Von Georg Palmüller

 

Zehn Minuten vor Beginn des Online-Vortrages „KI in der Genealogie - Beispiele aus der Praxis“, war im Zoom-Meeting-Raum des Ahnenforscher Stammtisches Unna kein virtueller Sitzplatz mehr frei! Das Thema sorgte für ein „ausverkauftes virtuelles Haus“ und der Referent Hermann Hartenthaler vom Verein für Computergenealogie (CompGen) freute sich, vor einem so großen Online-Publikum referieren zu dürfen.

Hermann Hartenthaler ist Leiter der Geschäftsstelle des größten genealogischen Vereins Deutschlands, dem Verein für Computergenealogie und beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit dem Thema "Künstliche Intelligenz.


Der Referent stellte sich zunächst vor und beschrieb dabei auch seine Tätigkeit aus Leiter der Geschäftsstelle des größten genealogischen Vereins Deutschlands, dem Verein für Computergenealogie (CompGen). Danach erläuterte er, bei welchen Aufgaben die KI im genealogischen Bereiche ein wichtiger Helfer sein kann.

Der Vortrag "KI in der Genealogie - Beispiele in der Praxis" wurde von vielen Interessierten mit Spannung erwartet.

Die drei Prozesse in der Genealogie, in der die KI eine große Hilfe sein wird.


Im Anschluss daran demonstrierte er live in ChatGPT, wie die KI beispielsweise bei der Auswertung von Grabsteinfotos, Ortschroniken, Sterbeanzeigen und bei der Erzeugung von genealogischen Schaubildern schnell und unkompliziert helfen kann. Arbeiten, deren Erledigung für uns Menschen einen erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand bedeutet. Die Zeit, die man durch die Hilfe der KI einspart, kann man für seine familiengeschichtliche Forschung sinnvoller nutzen. Dazu erläuterte Hermann Hartenthaler auch, wie man die „Prompts“ (Eingabe der Fragen und Aufgabenbeschreibung an die KI) so formuliert, dass man optimale Ergebnisse bekommt.

Live in ChatGPT vorgestellt: Wie die künstliche Intelligenz blitzschnell Grabsteinfotos auswerten und das Ergebnis in Tabellenform ausgeben kann.

Sogar eine Ausgabe in Form einer GEDCOM-Datei, die man dann in sein eigenes Genealogieprogramm importieren kann, ist möglich!


„Was macht man besser nicht?“ lautete die nächste Frage. Auf alle Fälle sei zu beachten, dass eine KI auch „halluzinieren“ kann, das heißt, sie wirft Ergebnisse aus, die nicht korrekt sind. Dies sei oft eine Folge, die der Anwender durch offene Fragen selbst unbewusst provoziert. Fragen, wie zum Beispiel „Nenne mir eine Quelle zur Geburt meines Urgroßvaters!“ oder „Welche Rektoren gab es im Ratsgymnasium Bautzen?“. „Die KI kann nicht auf Informationen zugreifen, die sich eventuell hinter einer Paywall oder hinter einer Anmeldepflicht des Nutzers befinden, sondern nur auf freie und öffentlich verfügbare!“, so der Referent. Da werden oft Vorstellungen geweckt und der Anwender der KI ist dann enttäuscht, wenn die KI nicht weiterhelfen kann. Ein präziser und komplexer Prompt ist unerlässlich für gute, sinnvolle und weiterhelfende Ergebnisse.

 

Die Nutzung der künstlichen Intelligenz ist auch mit Risiken verbunden, die auch wir Ahnenforscherinnen und Ahnenforscher beachten sollten, zum Beispiel zum Datenschutz, zur Datensicherheit und zum Urheberrecht. Daher sollte man, wie im Internet üblich, auch bei der Anwendung einer KI keine vertraulichen Informationen preisgeben. Dazu gehören natürlich auch Informationen zu noch lebenden Personen.

 

Im „Ausblick“ erläuterte Hermann Hartenthaler, wie KI zum Beispiel für die vielen Projekte des Vereins für Computergenealogie eingesetzt werden könnte. Am Einsatz von KI kommt auch der größte genealogische Verein Deutschlands zukünftig nicht vorbei. Daher entwickle man dort auch Konzepte dazu.

Ist man enttäuscht darüber, dass die KI nicht die gewünschten Ergebnisse liefert, kann man selbst der Verursacher sein!

Der Verein für Computergenealogie arbeitet gerade an Konzepten zum Einsatz von KI für dessen genealogische Projekte.


Im Anschluss an dem hoch interessanten und informativen Online-Vortrag entwickelte sich im Teilnehmerkreis noch eine ebenso interessante und informative lange Diskussion, in der Erfolgserlebnisse beim Einsatz von KI geteilt, aber auch kritische Stimmen laut wurden. Das, was wir gerade in Sachen KI erleben, ist erst der Anfang. „Wir erleben auf dem Gebiet momentan das, was wir vor vielen Jahrzehnten bei den ersten Raketenstarts für die Raumfahrt erlebt haben! Wie wird das erst in fünf oder zehn Jahren aussehen?“

 

Der Moderator Georg Palmüller fasste das Thema wie folgt zusammen: „Für unser Hobby, die Genealogie, wird die KI zukünftig nicht mehr wegzudenken sein. Daher ist es wichtig, dass wir uns jetzt - auch wenn erstmal nur spielerisch - mit der KI beschäftigen!“

 

Wir möchten uns sehr herzlich bei Hermann Hartenthaler für diesen spannenden, interessanten und informativen Online-Vortragsabend bedanken, der durch ein „volles Haus“ auf großes Interesse bei den Genealoginnen und Genealogen stieß.

 

 

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