Nancy Myers und Georg Palmüller vom Ahnenforscher Stammtisch Unna reisten nach Thüringen!
Gotha, die fünftgrößte Stadt des Freistaats Thüringen, war nicht nur von 1640 bis 1825 Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg und ab 1826 Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha, sondern bezeichnet sich auch als „Stadt der Genealogie“. Zumal auch im Oktober 2015 und im September 2019 der Deutsche Genealogentag gleich zwei Mal dort stattfand. Die besondere Atmosphäre der geschichtsträchtigen Stadt und auch die große Unterstützung, die den Organisatoren der beiden Deutschen Genealogentage zuteil wurde, machte Gotha wieder zum Austragungsort eines weiteren hochkarätigen Genealogie-Events.
Dem Vorsitzenden der Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände e. V. (DAGV), Dirk Weissleder, gelang es, zum ersten Mal ein „International Colloquium of Genealogy“ nach Deutschland zu holen. Dirk Weissleder konnte nicht nur den Ausrichter, die vom Genealogen und Heraldiker Jean-Marie Thiébaud aus Frankreich gegründete „International Academy of Genealogy“, in deren Vorstand er „1st Counsellor“ ist, sondern auch den einzigartigen und genealogiebegeisterten Oberbürgermeister Gothas, Knut Kreuch, sowie Sponsoren davon überzeugen, dass Gotha genau der richtige Ort für das dreitägige internationale Kolloquium sei.
Und so kam es, wie es kommen musste! Gotha wurde zur großen Freude aller Beteiligten wieder Gastgeber und der OB Knut Kreuch wieder Schirmherr eines hochkarätigen Genealogie-Events!
Vom großen Vortrags- und Exkursionsprogramm der internationalen Veranstaltung und der Tatsache, dass die Teilnahme völlig kostenlos war, angelockt, machten sich Nancy Myers und Georg Palmüller vom Ahnenforscher Stammtisch Unna am Dienstag, dem 21. Oktober 2025 auf den Weg nach Thüringen. Mit im Gepäck eine große Neugier darauf, was sie dort erwarten würde.
Die beiden wurden nicht enttäuscht, sondern traten nach drei Tagen begeistert wieder den Rückweg an.
Hier ist ihr Bericht:
Eine Stadt mit bewegter historischer Geschichte: Gotha in Thüringen.
Das Schloss Friedenstein thront über der Stadt.
Von Nancy Myers und Georg Palmüller
Nach dem Motto: „Gotha als Zentrum der adeligen wie bürgerlichen Genealogie“ begann der erste Tag des Kolloquiums am Mittwoch, dem 22. Oktober 2025 bereits um 8.50 Uhr mit der Begrüßung und einem Grußwort des Gothaer Oberbürgermeisters Knut Kreuch. Der Eröffnung folgten halbstündige Vorträge in englischer, deutscher und französischer Sprache.
Im Eingangsbereich des Veranstaltungssaales gab es das "Welcome Desk" mit Informationsmaterial zur Veranstaltung.
Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu begrüßen: Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch, selbst sehr an der Genealogie interessiert.
„Chronology, genealogy, diplomatic almanachs - for use and pleasure - how the Gotha was created“ mit Dr. Lupold von Lehsten, Begründer des Instituts für Personengeschichte in Bensheim,
„Der Gotha-Zettelkasten - Kann man eine ganze Stadt an ihrer historischen Datenlage zusammenarbeiten lassen?“ mit Dr. Olaf Simons, seit April 2023 Forschungsassistent an der Universität Halle (Saale),
„Adel, Akten und Archiv - Zur Arbeit der Redaktion des Gothaer Hofkalenders“ mit Dr. Sven Ballenthin, seit 2010 Kurator der Perthes-Sammlung in Gotha,
„Le fonds de Saxe aux Archives departementales de l’Aube : les papiers du prince Xavier de Saxe (1730 - 1806)" mit Myriam Provence aus Frankreich.
Nach einer kurzen Pause ging es dann im Programm weiter.
Der erste Tag des "Colloquium of Genealogy" startete mit einer Vortragsreihe in englischer, deutscher und ...
französischer Sprache. Wie hier mit der Referentin Myriam Provence aus Frankreich.
„The 19th century - a wave of emigration reached Thuringia“ mit Astrid Adler aus Tiefenort, gefolgt von der Einspielung des vorab aufgezeichneten Vortrages
„Successors of the voivodes in the Almanac of Gotha: princes Bassaraba de Brancovan - a model of integration of a prominent Romanian Family into the European noble elite“ mit Dr. Mihai-Bogdan Atanasiu von der Alexandru Ioan Cuza Universität in Rumänien.
Danach wurden die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt, die zum Schloss Friedenstein hinaufgingen, um in der dortigen Forschungsbibliothek unter sachkundiger Führung die Ausstellung zur Geschichte des Gotha-Almanachs 1763 - 1944 in Augenschein zu nehmen und auch das Forschungszentrum zu besichtigten.
In der Forschungsbibliothek im Schloss Friedenstein ist die Geschichte des Adels- und Hofkalenders, des "Gotha"-Almanachs aufwendig und anschaulich dargestellt.
Es ging von Station zu Station und der Teilnehmerkreis lauschte gebannt den Erklärungen.
Der erste Tag des XIV. International Colloquium of Genealogy endete mit einem gemeinsamen Abendessen in der nagelneuen, noch nicht eröffneten Jugendherberge in Gotha. Vor Speis’ und Trank stellten sich die Gothaer Stadtwerke im Rahmen eines Vortrages dem Teilnehmerkreis vor.
Der zweite Tag:
Start um 9.00 Uhr mit dem Vortrag „The Princes of Saxe-Coburg-Gotha and the Portuguese Royal Family: Genealogical Overview“ mit Dr. Jose Carlos Soares Machado, Präsident der Portugiesischen Genealogischen Gesellschaft mit Sitz in Lissabon, gefolgt von
„Das Haus Sachsen-Coburg-Gotha und Braganca in Brasilien“ mit Mario Colin, dem Nachkommen einer Familie aus Ülzen in Niedersachsen, die in die Gründung der Stadt Joinville im Bundesstaat Santa Catarina in Brasilien involviert war. Der Referent reiste eigens auf eigene Kosten aus Brasilien an, um am Kolloquium in Gotha teilzunehmen. Ein sehr sympathischer älterer Herr, mit dem wir uns eine Zeit lang über die Einwanderung seiner Vorfahren und sein eigenes Leben in Brasilien unterhalten konnten.
Unser Forscherfreund Dr. Klaus Kohrt, Vorsitzender der Schleswig-Holsteinischen Familienforschung e. V. (SHFam) informierte den Teilnehmerkreis in seinem kurzen und knackigen Vortrag „How to Research your Pommeranian Ancestors“ über die Forschungsmöglichkeiten in Pommern.
Als aufgezeichnete Einspielung erschien Dr. Kenneth W. Heger aus den USA auf der Leinwand und referierte zum Thema „Using Cultural Collections in America to Make Connections in Europe“
Persönlich aus Rumänien angereist war der nächste Referent Dr. Attila Istvan Szekeres, der über „The Transsylvanian Princes of the Bathory Family and the Gotha Almanach“ referierte.
Zum Abschluss des Vortragsteils des zweiten Tages sahen und hörten wir Adam Zurek aus Polen mit seiner deutschsprachigen Präsentation zu den Kenntnissen der Reichsfürsten über ihre piastischen und jagiellonischen Vorfahren bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts.
Dem Vortragsteil folgte um 14.30 Uhr eine sehr beeindruckende Führung „Books - Knowledge - Change“ durch die eine Million Bände umfassende historische Bibliothek Gothas im Schloss Friedenstein.
Sehr eindrucksvoll war die Führung durch die historische Bibliothek im Schloss Friedenstein
"Hätte ich eine Bibliothek zu Hause, sollte sie genau so aussehen!", war der Kommentar von Georg Palmüller, der genau wie seine ungarischen Vorfahren Bücher liebt.
Das uralte Münzkabinett des Schlosses Friedenstein ließ die Gruppe staunen.
Eine riesige historische Bibliothek mit einer Million (!) Bänden!
Anschließend trafen wir uns zu einer eineinhalbstündigen Führung durch die historische Altstadt von Gotha mit einem sehr gut aufgelegten Stadtführer, der uns dabei auch erzählte, wie die Stadt durch die Kunst der Blaufärberei damals zu Reichtum kam. Erläuterungen zu besonderen Personen der Stadtgeschichte und ihren noch existierende Wohn- und Geschäftshäusern rundeten den Stadtrundgang ab. Als der Stadtführer ein Kuriosum in Form eines falsch herum angebrachten Hinweisaufklebers für den Jakobsweg an einem Laternenmast aufzeigte, erstarb seine gute Laune plötzlich, als Georg vorschlug, den falsch angebrachten Aufkleber durch einen Aufkleber von Borussia Dortmund zu ersetzen. War der nette und gut gelaunte Herr doch ein Fan des Fußballvereins Rot-Weiß Erfurt! Die Bedeutung der Begegnungen von Erfurt und Jena stünden den Lokalderbys zwischen dem BvB und Schalke nichts nach, so sein Kommentar.
Der Guide war außergewöhnlich gut aufgelegt, bis Georg von Borussia Dortmund sprach.
Aber trotzdem fütterte der Fremdenführer die Gruppe mit vielen Informationen zur Gothaer Stadtgeschichte und sorgte für eine angenehme und kurzweilige Tour durch die historische Altstadt von Gotha.
Zum Abschluss des Tages folgten wir einer Einladung des Oberbürgermeisters Knut Kreuch ins wunderschöne alte Rathaus zum traditionellen Verzehr von Thüringer Bratwurst im Brötchen. Dabei gab es viel Zeit für Gespräche der Teilnehmenden untereinander. Gegen 20.30 Uhr spazierten wir durch die nächtliche Altstadt Gothas zu unserem Hotel am Schlosspark zurück.
Auf Einladung des Oberbürgermeisters Knut Kreuch ging es zur Verkostung von Thüringer Bratwurst ins Rathaus. Bei der Gelegenheit ehrte Dirk Weissleder die weit angereisten Referentinnen und Referenten.
Der nächtliche Blick auf die historische Altstadt mit dem imposanten Rathaus ist einfach atemberaubend.
Tag 3:
Der letzte Tag der Veranstaltung stand im Zeichen des Einsatzes von Technik in Form von Tools und Forschungshilfen für die Genealogie und die Visionen für die Zukunft der familiengeschichtlichen Forschungsarbeit.
Allerdings begann der dritte Tag zunächst um 8.45 Uhr vor dem Eingang des Landesarchivs Thüringen, Abteilung Staatsarchiv Gotha. Dort erwartete uns der Direktor der Archivs, Lutz Schilling. Dieser begrüßte die Gruppe herzlich und führte uns in begeisternder Art und Weise durch das „Heiligtum“ seines Archivs, dem Magazin. Dort hatte er schon historische Dokumente bereitgelegt und erläuterte sie. Die Art und Offenheit des Archivdirektors machte den Besuch des Landesarchivs zu einem besonders angenehmen Erlebnis und alle bedankten sich sehr herzlich für die klasse Führung.
Es machte richtig viel Spaß, sich vom Direktor des Landesarchivs Thüringen, Abteilung Staatsarchiv Gotha, Lutz Schilling, durch das "Heiligtum" des Archivs führen zu lassen. Er ist einfach einmalig!
Kilometer über Kilometer alte Akten und wertvolle Dokumente aus der Geschichte.
Immer wieder Vitrinen mit interessanten geschichtlichen Exponaten, wie hier ein Originalprotokoll zu einer Hexenverbrennung.
Wichtige Dokumente für Genealoginnen und Genealogen: Katasterbücher aus Gotha.
Danach eilten wir zurück in den Veranstaltungsraum des XIV. International Colloquium of Genealogy, um Annegret Gräfe von der Firma Heredis zum Thema „Familienforschung im internationalen Kontakt am Beispiel der Genealogie-Software Heredis“ zu sehen und zu hören.
Überall dort präsent, wo es um Genealogie geht: die sehr sympathische und kompetente Annegret Gräfe von Heredis.
Jede Referentin und jeder Referent erhielt eine Tasche mit Erinnerungsstücken an die Veranstaltung, persönlich überreicht von Dirk Weissleder!
Im Anschluss gab es einen Vortrag einer besonderen Art der Präsentation. Benjamin Günther, CEO des Softwareherstellers Synium (unter anderem „MacStammbaum“) referierte zum Thema „Do we still work - or is the job done by technology? Potentials for the future of genealogical research“. Dabei stand er nicht hinter dem Rednerpult, sondern hatte die Art der Präsentation von Apple übernommen und spazierte dabei auf der Bühne vor der Leinwand hin und her. Ein spannender, informativer und unterhaltsamer Vortrag, in dem auch der Einsatz künstlicher Intelligenz thematisiert wurde.
Mit der Art und Weise seiner Präsentation stellte Benjamin Günther von Synium selbst den großen, leider schon verstorbenen Apple-CEO Steve Jobs in den Schatten!
Nach dem spannenden, informativen und unterhaltsamen Vortrag erhielt Benjamin auch eine Erinnerung an die Veranstaltung aus den Händen von Dirk Weissleder.
Der nächste Referent Thomas Hengst von FamilySearch fiel krankheitsbedingt aus. Sein anwesender Kollege Torsten Kux, Area Manager Europe, FamilySearch International, übernahm kurzerhand die Vertretung und informierte den Teilnehmerkreis über die „FamilySearch Globale Initiative DTI - Digitize. Transform. Inspire“, im Rahmen derer FamilySearch mit vielen anderen Initiativen zu dem Thema zusammenarbeitet.
Der Vorsitzende des Vereins für Computergenealogie (Compgen), Prof. Georg Fertig, referierte im Anschluss über „Gatterer. Lorenz. Junkers: Three turns in the history of genealogy (or: why computer genealogy is much more than private ancestral research)“
Überraschend fand sich Torsten Kux von FamilySearch als Referent vor dem Mikrofon wieder. Er war kurzfristig für seinen Kollegen Thomas Hengst eingesprungen.
Der Vorsitzende des Vereins für Computergenealogie, Prof. Georg Fertig, mit einem sehr interessanten Vortrag.
Die beiden Vorträge „The Future of Genealogy: Community and connection in the Virtual Sphere“ von der Präsidentin der International German Genealogy Partnership (IGGP), Barbara Schmidt und „Auswanderung und Einwanderung - Regionale und nationale Datenbanken zur Klärung von Ursprung und Verbleib unserer Vorfahren und Verwandten“ von Christian Kirchner beendeten die dreitägige Vortragsreihe.
Den Abschluss des XIV. International Colloquium of Genealogy bildete eine in englischer Sprache abgehaltene Podiumsdiskussion zum Thema „The Future of Genealogy - Visions and Challenges“ unter der Moderation von Dirk Weissleder mit Christophe Drugy (President Federation Francaise de Genealogie), Prof. Georg Fertig (Compgen), Benjamin Günther (Synium Software), Barbara Schmidt (Präsidentin der IGGP) und Dr. Jose Carlos Soares Machado (President Assosociacao Portuguese de Genealogia).
Nach den Schlussworten zur Veranstaltung folgten wir der Einladung zu einem gemeinsamen Abschluss-Abendessen in das Restaurant „Ratskeller“ im Herzen der historischen Altstadt.
Die Podiumsdiskussion zum Thema "The Future of Genealogy - Visions and Challenges" beschloss das dreitägige XIV. International Colloquium of Genealogy in Gotha.
Gerne folgten wir der Einladung zu einem gemeinsamen Abschluss-Abendessen im Ratskeller in der historischen Altstadt von Gotha.
Nach dem Abschlussessen verabschiedeten wir uns mit großem Dank für drei klasse Tage „Gotha als Zentrum der adeligen wie bürgerlichen Genealogie“ vom Organisatoren und DAGV-Vorsitzenden Dirk Weissleder. War doch die große Anspannung und der Stress durch die monatelange Organisationsarbeit und dem Kampf gegen nicht vorhersehbare Tücken während der Veranstaltung einer großen Freude und Erleichterung über die gelungene Veranstaltung gewichen.
Unser Fazit: Die Teilnahme am XIV. International Colloquium of Genealogy in Gotha war mehr als lohnend! Ein umfangreiches, hochkarätiges Vortragsprogramm mit ebensolchen Referentinnen und Referenten, sowie die Exkursionen, die von Begeisterung ausstrahlenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der verschiedenen Institutionen geführt wurden.
Sollte das International Colloquium for Genealogy irgendwann noch einmal irgendwo in Deutschland oder im nahen Ausland stattfinden, so können wir jedem Interessierten den Besuch wärmstens ans Herz legen. Man lernt nicht nur viel dazu, sondern trifft auch auf schon bekannte und nicht bekannte Forscherfreundinnen und -freunde im Teilnehmerkreis und auch auf erstklassige Referentinnen und Referenten, wie in diesem Fall aus Europa und Übersee.
